15 Tipps für jede Enduro, zum Budgetfreundlichen Nulltarif.

(Von Moto Rumpf Enduro Stützpunkt West)

Tuning bezeichnet landläufig das frisieren von Mopeds, also feilen, sägen oder hämmern an Kolben, Kanälen und Vergasern. Schnarch, das war angesagt als wir alle noch jung und Spaßdrosseln bauartbedingt waren. Im eigentlichen Wortsinn ist hier lediglich die Verbesserung des vorhandenen, bzw. das erreichen des optimalen Serienzustandes gemeint. Das Schöne bei den nun folgenden Tipps ist, daß sie an jeder Enduro Sinn machen und kein oder nur sehr wenig Geld kosten. Gewissermaßen Tuning aus dem Baumarkt.

Tipp 1 - Splint der Bremse (Brembo) sichern.
Die Brembo-Hinterradbremse ist schon was feines, nicht nur das sie prima funktioniert, sie ermöglicht auch das Wechseln der Beläge ohne Hinterradausbau und ohne jede Schrauberei nur durch das lösen von Splint und Befestigungsbolzen. Ein um den Splint verzwirbelter und um das Entlüftungsventil gezogener handelsüblicher Draht verhindert nicht nur einen Verlust des Splints und damit der Hinterradbremse; er ist auch ungemein praktisch beim eiligen Wechseln der Beläge weil der Splint auch im dicksten Schlamm
nicht verloren gehen kann.

Tipp 2 - Platte unter dem Schalthebel
Bauartbedingt kann bei einem Sturz der Schalthebel durch die Kupplungsabdeckung gedrückt werden. Kostet Geld und - was fast noch schlimmer ist - hat die Beendigung der Veranstaltung oder gar des Urlaubs
zur Folge. Eine unter den Hebel geschweißte Platte vergrößert die Auflagefläche und vermeidet so effektiv mögliche Umwelt- und Portemonnaiesauereien.

Tipp 3 - Bremsschlauch auf Schleifstellen prüfen
Besonders der Hydraulikschlauch zur Bremszange des Hinterrades kann je nach Führung gefährdet sein, Husqvarna hat seit 1992 eine Verstärkung an der kritischen Reibstelle in der Nähe des Federbeins eingeführt. Trotzdem wird diese nach einigen Jahren durch sein, daher gelegentlich überprüfen und bei Bedarf mit einen Stück alten Schlauchs und Kabelbindern erneut verstärken. Das gilt generell für alle Stellen wo Schläuche oder Züge erkennbar an statischen Teilen arbeiten, bei Routinearbeiten sollte also stets ein Blick auf Lage und Führung aller entsprechend gefährdeten Teile geworfen werden.

Tipp 4 - Das braucht Ihr alles nicht
Jeder der schon mal einen klassischen Kriegsfilm gesehen hat kennt die Stelle: der unerfahrene, junge Rekrut wird vom Hauptmann rangenommen und alle möglichen Teile der Ausrüstung werden aus dem Rucksack gepflückt und mit einem mehr oder minder markigem Spruch achtlos zur Seite geworfen. Prima, das machen wir jetzt auch: Kettenschutz, großes Kuchenblech*, Blinker*, Hupe* und mindestens der zweite Seitenspiegel fallen dieser Aktion zum Opfer. Das gilt natürlich nicht unbedingt für den  Straßenverkehr aber in jedem Fall für längere Abenteuer im Gelände. Das Kennzeichen wird durch ein kleines GS-Zeichen ersetzt, Blinker, Hupe und Spiegel demontiert. (* = Bei Enduroveranstaltungen in Deutschland sind die einschlägigen Vorschriften zu beachten. Ein kleineres Kennzeichen ist erlaubt, anstelle der Blinker werden zwei Ochsenaugen an Gummischläuchen montiert, eine kleine Ballhupe ersetzt die elektrische, anstelle zweier Seitenspiegel ist nur noch ein kleiner, klappbarer Kunststoffspiegel
vorhanden.)

Tipp 5 - Vordere Kettenabdeckung wird bis auf die Führung demontiert.
Bei Veranstaltungen in Deutschland waren diese noch bis vor einiger Zeit Vorschrift, wer nicht darauf verzichten will sollte sie zumindest perforieren. Also, bohren, bohren, bohren ...

Tipp 6 - Killschalter mit Unterbrecher
So ein Killschalter ist eine feine Sache - leider aber auch eine beliebte Fehlerquelle weil er exponiert am Lenkerende sitzt und damit schutzlos eventuellen Stürzen oder Steinbeschuss ausgesetzt ist. Sollte nun das Moped mal nicht mehr funken kann man schnell der Schalter als mögliche Fehlerquelle ausschalten, sofern man eine zusätzliche Steckverbindung so etwa auf halber Strecke zwischen Maske und Schalter anbringt. Zieht man diese ab ist der Schalter umgangen. Sinnvollerweise ist das auch nach Unterbrechung massekritische Kabel weiblich, ist doch klar.

Tipp 7 - Kurzbremshebel
Ich weiß, früher waren Kurzhebel besonders modern, in allen Farben, ergonomisch geformt und aus Kunststoff. Daher haben viele von uns Ihr Problem mit "Kurzbremshebeln". Trotzdem, der kurze  Bremshebel ist ideal da er gleichwertig in der Dosierung aber weitaus weniger bruchgefährdet ist. Probiert ihn nach dem nächsten Sturz mal aus ... oder steckt Ihn euch als "leichteren" Ersatz in die Rückentasche.

Tipp 8 - Reifenhalter umsetzen
Standardmäßig ist an allen Enduros der Reifenhalter gegenüber vom Ventil. Das hat durchaus seinen Sinn, schließlich ist das Rad so wenigstens etwas besser ausgewuchtet. Im Endurosport ist das die jedoch  denkbar dämlichste Anordnung weil es die Reifenmontage behindert. Sobald der Reifenhalter neben dem Ventil sitzt (8,5er Loch bohren), kann das Ventil in die Felge eingesetzt werden und gleichzeitig der Reifenhalter fixiert werden. Dann ist der Rest der Montage nur noch eine Fingerübung. Das müsst Ihr mir jetzt aber einfach glauben.

Tipp 9 - Einstellschrauben mit Kupferpaste behandeln
Alle Stahlschrauben - und hier vor allen Dingen die Einstellschrauben an der Hinterradschwinge - sollten mit Kupferpaste eingesetzt werden um ein Festrosten zu vermeiden. Also, mindestens einmal im Jahr die elend langen Schrauben rausdrehen und einschmieren. Der Effekt lohnt den Aufwand, vor allen Dingen wenn man schon mal eine Einstellschraube abgerissen hat.

Tipp 10 - Vergaserschrauben überprüfen
Unsere Freunde aus Fernost haben an Mikuni- und Keihin-Vergasern die unangenehme Eigenart möglichst viele klitzekleine Schräublein einzubauen, allesamt aus Weichmetall und mit Kreuzkopf. Macht euch hier die Mühe diese gegen Innensechskantschrauben zu tauschen, die kann man im Notfall auch mit einer Zange demontieren. Auch lohnt es sich, zu überprüfen ob alle Schrauben wirklich nötig sind, an der Vergaserkammer sind diese manchmal nicht unbedingt nötig.

Tipp 11 - Bedüsung notieren
Bei dieser Gelegenheit - sprich der Vergaserüberprüfung - könnt Ihr als Zweitaktfahrer (und wenn Ihr wollt, auch als Kühlschranktreiber) die Bedüsung auf der Schwimmerkammer notieren. Dann wisst Ihr auch in ein paar Wochen noch, was Ihr für ne Bedüsung fahrt. Ist voll cool und macht einen echt schlanken Fuß weil das wie bei den echten Sportfahrern aussieht. Die haben allerdings einen Schrauber, der die Bedüsung, Meereshöhe und Luftfeuchtigkeit sowieso notiert - allerdings nicht alles auf der Schwimmerkammer.

Tipp 12 - Nach dem Dampfstrahlen: Sprühöl.
Ich weiß, es ist schon spät, ihr seid glücklich euer Moped gedampfstrahlt zu haben und wollt nur noch nach Haus zu Muttern? Denkste. Idealerweise wenn Ihr das Moped wieder in die Garage stellt solltet Ihr mal kurz zur Sprühdose greifen und mindestens folgende Bauteile kurz ansprühen: Benzinhahn, Kickstartergelenk, Ständer (nicht was Ihr jetzt wieder denkt, ihr Ferkel), Fußbremshebelaufnahme etc. Sprich alles, was sich am Moped außen bewegt. Und wenn Ihr dann noch etwas gegen den Rost tun wollt, könnt Ihr gleich mal über Motor und Auspuffanlage gehen. Und noch was: die Kette nebst den Rollenlagern nicht vergessen.

Tipp 13 - Serienenduros: Scheinwerfer schützen.
Der ideale und preisgünstige Schutz für Glasscheinwerfer ist dicke, transparente Kunststofffolie. Sieht besser aus als ein Drahtgitter und schützt den Schweinwerfer vor Steinschlag, da es nachgiebig ist sogar bei Stürzen.

Tipp 14 - Brems- und Kupplungshebel richtig einstellen
Wer viel Strasse fährt, hat seine Hebel gewöhnlich an die sitzende Fahrposition angepasst. Bei Fahrten ins Gelände jedoch sind die Hebel entsprechend umzustellen um auch "im Stehen" noch bequemes bedienen zu ermöglichen. Bei dieser Gelegenheit kann dann auch gleich die Halterung etwas gelöst werden um bei eventuellen stürzen anstelle des gebrochenen Hebels nur ein verdrehen auf dem Lenker zu ermöglichen. Echte Schrauberfreaks würden jetzt noch eine Sollbruchstelle in die Hebel feilen, mir wäre das ja zuviel Aufwand.

Tipp 15 - Die richtige Wartung vermeidet Ausfälle
Dazu gehört das überprüfen der Züge auf Leichtgängigkeit und eventuelle Bruchstellen, die Kontrolle der Befestigungen / Schrauben generell und der ganze Rest den Ihr ja sowie so schon gewissenhaft überprüft (Füllstände, Luftfilter, Antrieb, Felgenspannung, Vergaser etc. ;-)). Gerade der Zustand der Züge ist im Gelände entscheidender als auf der Straße, was bei Asphaltbetrieb noch erträglich ist wird im Dreck schnell zum Problem. Also: wenn es sich schwer dreht oder zieht, dann immer den Ursachen auf den
Grund gehen und im Zweifel lieber den Zug tauschen, bei 2T auch gleich das Motoröl.

Bis dann. Euer Dinobrumm.

Quelle: Moto Rumpf Enduro Stützpunkt West
EMail: vollgas@motorumpf.de