Fahrwerkstipps für jede Enduro

Denn bevor man das herumdrehen an den Dämpfern anfängt, sollte man vorher wissen, mit welcher Schraube was verstellt wird. Weil viele Handbücher aber nur sehr eingeschränkt darauf eingehen, hier als Einstell-Hilfe unsere Fahrwerkstipps mit Erklärungen zu den einzelnen Begriffen aus der Fahrwerkstechnik:

Das Fahrwerk von A bis Z

1. Ansprechverhalten:

Das Ansprechverhalten einer Gabel oder eines Federbeins wird als Sensibilität bezeichnet. Je feinfühliger die Elemente ansprechen, desto besser das Fahrgefühl.

2. Ausgleichsbehälter:

Entweder fest am Federbein oder mit einem Schlauch verbunden. Im Ausgleichsbehälter werden Öl und Stickstoff durch einen Kolben getrennt.

3. Dämpfung.

Energievernichtung

4. Druckstufendämpfung:

Dämpfung während des Einfedervorgangs.

5. Durchschlagen:

Ein Effekt, der von der Gabelfeder oder der Feder im Stoßdämpfer nicht mehr abgefangen werden kann. Das Feder-/Dämpferelement schlägt Stahl auf Stahl.

6. Federung:

Auf-und Abbewegung eines Federtyps (Spiral- oder Blattfeder). Die Möglichkeit für komfortables und ückenschonendes Motorradfahren. (Stoßabsorption).

7. Federbasis:

Der Stand, auf den die Tragfeder vorgespannt wurde.

8. Federrate:

Federhärte bzw. die Tragfähigkeit der Feder.

9. Federvorspannung:

Die Möglichkeit, die Feder vorzuspannen, um sie auf ein höheres Niveau einzustellen. Zum Beispiel im Soziusbetrieb: so sind genügend Restfederwege vorhanden.

10. Gabelanpassung:

Veränderung der Feder- und Dämpfungseigenschaften, um das Fahrverhalten zu optimieren.

11. Grundeinstellung:

Optimale Einstellung der Feder- und Dämpfungselemente unter normalen Umständen, auch bezogen auf das Fahrergewicht.

12. Handling:

Die Leichtigkeit, mit der das Fahrzeug bewegt werden kann, z.B. bei Richtungswechseln.

13. Kick-Back:

Lenkerschlagen von links nach rechts bei höherem Tempo oder in der Beschleunigung

14. Klicks:

Rastpunkte bei der Einstellung der Drehknöpfe an der Dämpfungsverstellung.

15. Lenkkopflager:

Lagerung zwischen der oberen und unteren Gabelbrücke.

16. Lineare Gabelfeder:

Gabelfeder, die über den gesamten Wicklungsbereich die gleiche Federrate aufweist.

17. Losbrechmoment:

Die Kraft, die notwendig ist, um die Kolbenstange in Bewegung zu setzen.

18. Pendeln:

Schaukelbewegung in Längsrichtung während des Beschleunigens oder bei hohen Geschwindigkeiten.

19. Progressive Gabelfeder:

Gabelfeder mit softem Anfang und hartem Ende, d.h. bei hohem Widerstand wird ein Durchschlagen verhindert.

20. Set-Up:

Gesamtabstimmung von Fahrwerk, Geometrie und Dämpfungselementen.

21. Traktion:

Grip der Reifen, Vortrieb während der Beschleunigung.

22.Überdampf:

Zu viel Dämpfung in Zug- oder Druckstufe oder bei beidem.

23. Unterdampf:

Zu wenig Dämpfung vorhanden.

24. Zugstufendämfung:

Die Dämpfung während des Ausfedervorgangs.

So, nachdem Ihr nun alle Fachbegriffe kennt, gehts nun ans eingemachte:

ProblemAuswirkungAbhilfe
Federvorspannung zu hochZu wenig Negativfederweg, Motorrad wird kopflastig, Lenkerschlagen bei Querrillen oder Beschleunigen, schlechtes Ansprechen der Federung, wenig Komfort, Überlastung der Telegabel bei Bergabfahrten oder beim Bremsen.Federvorspannung vermindern, eventuell weichere Feder verwenden.
Federvorspannung zu niedrigMotorrad geht zu tief in die Federung, zu viel Negativfederweg, wird trotzdem unkomfortabel, neigt zum Durchschlagen, Pendeln bei Bodenwellen, starke Rührbewegungen bei Zuladung, Verringerung der Bodenfreiheit.Federvorspannung erhöhen, eventuell härtere Feder verwenden.
Druckstufendämpfung zu hartSehr unkomfortabel, Hinterrad neigt in schnellen Kurven zum Stempeln, insbesondere beim Beschleunigen in Schräglage, Rad springt über Bodenwellen und Querrillen.Verringern der Dämpferdruckstufe, eventuell Veränderungen im Stoßdämpfer vornehmen lassen, Druckstufendämpfung durch weichere Membranplatten anpassen.
Druckstufendämpfung zu weichMotorrad schlägt beim Einfedern durch, dadurch harte Schläge an Maschine u. Fahrer. Beim Durchschlagen kommt Unruhe ins Fahrwerk bis hin zum Aufschaukeln, typisch dabei das Aufschaukeln beim Herausbeschleunigen aus Kurven in Schräglage.Druckstufendämpfung erhöhen, eventuell Veränderungen im Stoßdämpfer vornehmen lassen (Druckstufendämpfung durch härtere Membranplatten anpassen). Bei verschlissenem Dämpfer erneuern oder reparieren.
Zugstufendämpfung zu hartMotorrad federt zu langsam aus, fährt dadurch im harten Bereich, Rad federt Unebenheiten nicht aus, neigt bei holpriger Straße zum Stempeln, unkokomfortabel, Verringerung der Bodenfreiheit, Pendelneigung bei Bodenwellen.Zugdämpfung verringern, eventuell Federvorspannung erhöhen.
Zugstufendämpfung zu weichMotorrad federt zu schnell aus, neigt zum Nachschwingen und Aufschaukeln bei Bodenwellen, konstante Unruhe in der Hinterhand, Rad neigt zum Stempeln.Erhöhen der Dämpferzugstufe, eventuell Verringern der Federvorspannung, bei verschlissenem Dämpfer reparieren oder erneuern.

 

Quelle: u.a. Götz Kataloge