Reisebericht Tunesien 1997

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Neu! jetzt mit GPS Koordinaten Douz-Ksar Ghilane

 
Weißer Strand und gelbe Dünen, schwarzer Schlick auf Salzseen, Oasen voller Grün
Tunesien ist weit mehr als nur ein öder Wüstenstaat.

Dünenmeer zwischen Douz und Ksar Ghilane

Ziemlich ratlos sitzen wir in der Notaufnahme des Krankenhauses in Metlaoui. Gert wird gerade untersucht. Nach der Besichtigung der Seldja-Schlucht warf ihn seine Husky beim scharfen Anfahren auf losem Untergrund ab, und durch den Sturz verletzte er sich böse am Knie. Dabei hatte alles so gut angefangen. In Straubing waren wir zu dritt losgefahren: Wolfgang mit seiner Africa Twin, Gert mit der Husqvarna 610 TE und ich mit meiner XR 600 R. In Lindau am Bodensee holten wir noch Markus mit einer BMW R80 G/S ab. Zügig überquerten wir die Alpen, um in Genua die Fähre nach Tunis zu erreichen. Nach der Ankunft am Nachmittag in Nordafrika mußten wir sofort die erste, nicht ganz freiwillige Tour antreten. Denn in ganz Tunis war kein Campingplatz zu finden. Schließlich in Nabuel angekommen krochen wir müde in unsere Schlafsäcke. Doch die Nacht war schon um fünf Uhr morgens zu Ende, als uns der Ruf des Muezzin der nahe gelegenen Moschee weckte. Also nutzten wir die frühen Morgenstunden, um meiner XR einen neuen Hinterreifen aufzuziehen. Unsere Route führte uns zunächst nach Süden in Richtung EI Huareb und weiter nach Gafsa. Nach einigen ersten Off-road Passagen über teilweise schlammige Pisten wurde die erste Reparatur fällig: Der Gaszug der Husky war gerissen. Eine halbe Stunde später wurde die Fahrt fortgesetzt bis hinter Gafsa, wo wir dann mitten in der Landschaft unsere Zelte aufschlugen. Hier erlebten wir zum erstenmal die viel beschriebene und besungene Einsamkeit und Stille der Wüste. Es war ein Empfinden, das wohl jeden Menschen anrührt, vergleichbar mit dem allerersten Anblick der Berge oder des Meers. Am nächsten Tag blieb keine Zeit für Ruhe und Besinnlichkeit, und für Gert wurde es ein sehr schwarzer in seinem Enduro-Leben. Es war der Tag seines Sturzes, der uns schließlich ins Krankenhaus nach Metlaoui führte. Mehrere Bänder-risse wurden diagnosti-ziert. Durch die Hilfe des freundlichen Röntgenarztes fanden wir einen Fahrer mit Pickup, der Gert und die Husky nach Tunis brachte. Von dort trat er mit dem Flugzeug die Rückreise an. Wir sollten dann etwa zehn Tage später das Motorrad nach Genua mit zurücknehmen. Was vom Tage übrigblieb, nutzten wir, um vor Sonnenuntergang die Stadt Tozeur zu erreichen. 

Gert mit seinen beiden gerissenen Bänern im Knie vorm Krankenhaus in Metlaoui
Wir passierten dabei den Chott el Djerid. Der läßt sich nur auf der Dammstraße, die beide Ufer dieses Salzsees verbindet, sicher überqueren. Dennoch verleiten uns die zahlreichen Spuren auf der eingetrockneten Oberfläche zum Verlassen des Damms. Mit Tempo 100 fahren wir auf dem relativ harten Boden. Ehe wir uns versehen, werden die Spuren weniger und der Untergrund schwammiger. Zurück auf den Damm? Als wir bremsen, um auf den Wall zurückzukehren, reißt die Oberfläche auf, und die BMW gräbt sich bis zu den Zylindern im schwarzen Schlick ein. Nur mit vereinten Kräften gelingt es, die GS wieder aus dem Salzmorast zu ziehen. Und dann vergeht die folgende Viertelstunde mit dem Reinigen der total zugebackenen Kühlrippen. 

Überfahrt über den Chott el Djerid

Nach wenigen Kilometern erreichen wir schließlich Douz, wo wir unsere Wasservorräte auffüllen. Da die Strecke nach Ksar Ghilane nur etwa 90 Kilometer beträgt und wir noch relativ volle Tanks haben, halten wir es nicht für nötig, unsere Spritvorräte aufzufüllen. Die Piste zur Oase zeigt uns ein hilfsbereiter Tunesier, der vor uns herfährt. Mit seinem Peugeot-Moped manövriert er sichtlich leichter als wir auf dem Weg, der uns mit ersten Weichsandpassagen überrascht. Mit einer Schachtel einheimischer Zigaretten bedanken wir uns, und er wünscht uns viel Glück für die vor uns liegende Piste. Nach etwa 40 Kilometern erreichen wir das "Cafe la porte du desert", einen kleinen aus Palmenwedeln errichteten Rastplatz im Nirgendwo der Wüstenlandschaft. Wir staunen nicht schlecht, denn an den Wänden stecken die Visitenkarten und Aufkleber von Rallye-Fahrern und deren Teams. So findet sich eben manchmal Vertrautes in der Fremde. 

Übernachten im "

Der Wirt meint, daß es für Fremde schwierig sei, sich ohne die Satelliten-Navigation GPS auf der vor uns liegenden Strecke zu orientieren. Zur Sicherheit skizziert er uns eine Karte auf ein Blatt Papier, damit wir uns nicht verirren. So fahren wir den Rest des Nachmittags bis zum Einbruch der Dunkelheit in der vermuteten Richtung. Leider ist die Karte nur ein grober Anhaltspunkt, so daß wir die Nacht irgendwo zwischen Douz und Ksar Ghilane in einem Dünenfeld verbringen. Auch hier befällt uns wieder dieses eigenartige Gefühl, das wohl nur dieser Ozean aus Sand vermitteln kann. Kein Licht, kein Geräusch. Über uns ein klarer Sternenhimmel, und es scheint so, als wären wir die einzigen Lebewesen in einem All der in Jahrmillionen zu Sandkörnern geschliffenen Planeten.
Sehr früh am folgenden Tag brechen wir auf, um die Kühle des Morgens zu nutzen. Wir hoffen, gegen Mittag die Oase zu erreichen. Aber immer wieder versperren uns Dünenkämme die Sicht, und immer wieder müssen wir die liegengebliebenen Motorräder, die manchmal bis über die Achsen im Sand stecken, ausgraben. Wir haben uns mit der Navigation vertan.
Aber woran soll man sich hier halten? An die nächste Düne, die so aussieht wie die daneben oder wie die Horizontlinie, die auch nichts weiter ist als diese sanfte Hügellandschaft, die sich rechts und links auftut? Wir brauchen einen geschlagenen halben Tag, um wenigstens wieder einen Punkt ausfindig zu machen, den wir tags zuvor bereits passiert haben.
Und so landen wir schließlich wieder am Palmwedel-Cafe, nur um zu einer erneuten Irrfahrt aufzubrechen, die uns nach 90 Kilometer wieder nach Douz führt.

Quo vadis? Ohne GPS wars nicht einfach... Die Quelle in Ghilane

Die Zeit drängt. Deshalb starten wir nach dem Auffüllen der Benzin- und Wasser-vorräte erneut in Richtung Ksar Ghilane. Diesmal versuchen wir unser Glück über die längere Pistenverbindung entlang der Rohöl-Pipeline, die aus dem Süden bis nach Tunis führt. Müde und zerschlagen fahren wir nach 130 Kilometern in der Dunkelheit in Ksar Ghilane ein. Ein grüner Ort im gelbbraunen Meer des Sands. Eine 33Grad warme Thermalquelle erhält die Oase am Leben. Einige andere Motorradfahrer sind bereits hier, denn diese Wüsteninsel ist gerade "in", schließlich führt im Jahr unserer Reise die Rallye Optic 2000 daran vorbei.  

Der nächste Tag verspricht pures Fahrvergnügen im Sand, denn wir haben unser Gepäck zurückgelassen. Genußvoll lenken wir unsere nun leichtfüßigen Enduros durch die Dünen. Auch der eine oder andere Sturz gehört zu diesem Erholungstrip, aber glücklicherweise geht alles ohne Blessuren für Mann und Maschine ab.  

Schließlich entscheiden wir uns, ein Fort aus den Tagen der Kolonialzeit anzusteuern. Doch immer wieder graben sich unsere Enduros in den weichen Sand, und so geben wir schließlich auf. 

Drifts rund um die Oase Abendstimmung am Cap Serrat
So heiß die Tage sind, so kühl wird es am Abend. Gerade mal fünf Grad herrschen, als wir unter den Sternen des Südens ins buchstäblich badwarme Wasser der Oase steigen. Der Weg zurück nach Norden führt uns nach Kebili. Dort treffen wir auf das KTM- Werksteam mit Heinz Kinigadner und Giovanni Sala. Sie testen Motorräder für die kommende Tunesien-Rallye. Das gibt ein Erinnerungsfoto, logisch. Entlang der algerischen Grenze fahren wir zurück über die Ausläufer des Atlas-Gebirges an die Küste nach Tabarka. Obwohl wir bei unserem Aufenthalt in der Oase unsere Maschinen wieder auf Vordermann gebracht hatten, bremst uns nun schon wieder eine Panne aus. Diesmal reißt der Kupplungszug an der Africa Twin. Mit einem Ersatzseil und Lötzeug ist die Reparatur schnell zu bewerkstelligen, und so erreichen wir schließlich am späten Nachmittag das Cap Serrat. Hier tut sich ein Strand auf, wie man ihn aus Reiseprospekten kennt, denen man nie recht glaubt. Feiner weißer Sand wie in der Karibik. Weit und breit keine Urlauber. Keine Frage, hier müssen wir einfach bleiben und übernachten.

Radlagerreparatur der Twin

Technische Probleme trüben am nächsten Tag schon wieder die idyllische Stimmung. An der Africa Twin ist die hintere Radlagerung hinüber. Fünfzig Kilometer vor Bizerte stehen wir also auf freier Wüstenflur und versuchen, das Hinterrad der Honda auszubauen. Doch die Radmutter ist derart fest gezogen, daß gleich zwei Schlüssel zu Bruch gehen. Erst als ein Lastwagen hält, können wir mit dessen riesigem Radkreuz das Problem lösen. Dessen Fahrer erklärt sich sofort bereit, den unglücklichen Reiter samt Rad nach Bizerte zur Instandsetzung mitzunehmen. Vier Stunden und drei Liter Limonade später stoppt ein Taxi, und Wolfgang steigt mit dem reparierten Hinterrad aus, so daß wir unsere Tour in Richtung Tunis fortsetzen können.
Dort stehen wir jetzt nach den vielen Kilometern durch Sand und Geröll an der Reling der Fähre. Wir blicken auf ein Land in Nordafrika zurück, das vor Europas Haustür liegt und für deutsche Verhältnisse geradezu exotische Enduro-Abenteuer bietet.

Christian Frankl 

 GPS Daten für den Abschnitt Douz - Ksar Ghilane

Nachdem wir die "Ehrenrunde" von etwa 90Km in der Wüste nicht auf uns sitzen lassen wollten, fuhren wir im März 1998 gleich nochmal nach Tunesien und starteten erneut von Douz in Richtung Ksar Ghilane. Diesmal mit einem GPS. Leider hatten wir zu Anfang der Etappe nur zwei GPS Punkte: Den von Douz, und den von Ksar Ghilane. Also fuhren wir relativ gerade durch die Pampa, immer dem Pfeil der GPS Anzeige nach. Wir benötigten fast 8 Std für die ewta 80km lange Strecke. Beim zurückfahren drei Tage später folgten wir der Spur eines Militär 4x4 LKW´s und zeichneten die wichtigsten Wegpunkte per GPS auf. Diesmal benötigten wir nur 2 1/2 Std für die 80km. Hier nun für all diejenigen, die vorhaben diese Etappe nachzufahren, die GPS Punkte: (die auch schon in der OPTIC 2000 gefahren wurde)

 

Ksar Ghilane - Douz über das "große Dünenfeld"

Camp in Ksar Ghilane

32 59´21.4"

9 38´22.0"
Abzweigung Piste nach Links33 02´52.7"

9 33´19.4"

Dünenfeld 133 04´08.3"9 26´06.6"
Dünenfeld 233 04´07.3"9 25´30.4"
Wegpunkt 133 05´22.9"9 23´16.3"
Wegpunkt 233 06´09.0"9 22´25.4"
Wegpunkt 333 07´23.3"9 20´48.2"
Bunker mit Brunnen33 09´09.7"9 19´44.5"
Alter Brunnen am Wegrand33 14´28.3"9 15´50.8"
Wasserstelle mit Tränke33 15´19.8"9 15´14.0"
Cafe "la port du Desert"33 15´34.6"9 14´42.3"
Douz33 27´44.0"9 01´45.0"

 Weitere GPS Daten für Südtunesien sowie dem Sperrgebiet: Hier klicken!!