Tunesien Reisebericht 27.3.1998 - 13.4.1998

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Auf eigene Faust mit den Enduros durch weite Ebenen, über Sanndünen und Chotts zu fahren ist in
Tunesien ein riesen Spaß. Ohne Reiseveranstalter oder Begleitfahrzeug - Nur zu zweit unterwegs mit
unseren XR600R Hondas.Das Ksar bei Ghilane.

 7:45 Uhr: Meine Türglocke läutet. Es ist Manfred, mit dem ich heute in Richtung Tunesien aufbrechen werde. Mane´s Gesichtsausdruck läßt offene Fragen erkennen, denn ich bin noch in Jeans und Pullover. Ich lasse aber keinen Zweifel  an meiner Absicht, mich innerhalb 15 Minuten in die komplette Mopped Montur zu schmeißen.  
Kurz darauf hätte ich fast meinen Rucksack vergessen, in dem sich unter anderem ein gutes halbes Kilo erstklassiges Geräuchertes befindet, quasi die Erstversorgung für die Anreise nach Genua.  
Die Fahrt von Straubing aus über die Alpen bis hin zum Gardasee verläuft ohne nennenswerte Zwischenfälle. Wir beziehen unser Lager direkt am Seeufer hinter einer kleinen Bar, weil sämtliche Zeltplätze der Gegend erst am darauffolgenden Tag öffnen und obendrein fast niemand Motorräder innerhalb des Campingplatzes erlaubt. Scheinbar kann man sich am Südufer des Sees solche Benachteiligungen gegenüber den Zweiradfahrern erlauben, ohne Verdienstausfälle beklagen zu müssen...  
Als kleinen Dank für die kostenlose Übernachtung sitzen wir später beim Wirt am Tresen und genehmigen uns ein paar Bierchen vor dem Schlafengehen.  
Am nächsten Morgen schlagen die Wellen gegen das Ufer und wecken uns gegen 6 Uhr auf.  Frühstück und Packen verschieben die Abfahrt auf 8 Uhr. Etwa 250km später erreichen wir den Hafen in Genua. Wir fahren seit dem Morgen zu viert. Helge und seine Sozia auf einer BMW R100GS haben  sich uns angeschlossen. Auch sie fahren für knapp 14 Tage nach Tunesien. Viele teils total überladene PKWs warten vor der Fähre, die gegen 16:30 Uhr abfahren soll. Zwischen den vielen Africa Twins und Boxer - BMWs kommen wir zwei mit unseren 600ccm "starken" XR Hondas uns  etwas klein vor. Angesichts der Gepäckberge, die viele der Fahrer mit sich führen, steigen unsere Chancen aber schon wieder erheblich, uns im Gelände von den dicken Enduros nicht abhängen zu lassen. Besonders die Bereifung der Reise-Enduros läßt erkennen, daß deren Fahrer wohl kaum größere Ausflüge abseits der Asphaltbänder planen. Wir aber haben uns wieder vorgenommen den Großteil in Tunesien auf Schotter und Sand zu fahren, nur nach GPS oder Kompaß.  
Nach endlosen 24 Stunden erreichen wir schließlich Tunis und stellen uns den Einreiseformalitäten. Kurz vor 20 Uhr verlassen wir das Hafengelände und fahren los in Richtung Tunis und weiter nach Nabuel ins Hotel Jasmin, wo man uns im Garten zelten lässt. Angenehme 21? C laden uns ein, noch ein Bierchen vor dem Zelt zu trinken, ehe wir in die Schlafsäcke kriechen.  
Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir unsere Eintöpfe und verlassen den Ort Nabuel in Richtung Süden, den ganzen Tag auf der Flucht vor dem schlechten Wetter, das uns von Norden folgt. Leider nicht immer erfolgreich, ab und zu holen uns ein paar kleinere Schauer ein. Unterhalb Bir Ali Ben Khelifa verlassen wir die Straße um querfeldein von Mazzouna aus den "Sebkhet en Noual", eine Schottebene, zu überqueren. Immer wieder verlaufen tiefe Rinnen quer zur Fahrtrichtung, die wir nicht immer rechtzeitig erkennen. Manchmal hilft nur eine Vollbremsung, um nicht in die teilweise über einen Meter tiefen Auswaschungen zu fallen. Die vielen Straßenkilometer der letzten Tage ließen unsere Aufmerksamkeit für derartiges Gelände etwas schwinden. Doch nach den ersten zwei Beinahe-Stürzen mit Durchschlagen der Federelemente schaffen wir es, uns mehr auf die Piste zu konzentrieren. Etwa 25km später erreichen wir schließlich wieder eine asphaltierte Straße und navigieren erst einmal.  
Wir folgen der Straße Nr.15 bis zur Abzweigung nach Kebili, die in unserer Karte auch noch als Schotterweg eingezeichnet ist. Unterwegs helfen wir einem alten Mann den Plattfuß im Hinterrad seines Peugeot Mopeds zu reparieren. Ganz uneigennützig versetzt er bei dieser Gelegenheit auch noch sein Ventil an einen neuen Platz im Schlauch und möchte obendrein noch drei Reifenflicken als Ersatz haben. Sein Schlauch sieht ohnehin schon aus wie ein Kunstwerk, übersät mit Flicken. Da ich selbst nur noch vier Flicken habe, muß ich die Bitte ablehnen und wir fahren weiter.  
Schon bald müssen wir feststellen, daß sich seit dem Ausgabedatum unserer Karte (1992) doch einiges getan hat in Tunesien. Die komplette Strecke ist geteert bis durch nach Kebili. Wir sind nicht unglücklich über diesen Umstand, da weite Teile des Chott el Fedjaj praktisch unbefahrbar gewesen wären.  
Südlich von Kebili schlagen wir unser Zelt auf einer Düne auf, umgeben von Palmen. Das schlechte Wetter haben wir seit dem Chott el Fedjaj hinter uns gelassen. Gut gelaunt kochen wir uns das Abendessen und kriechen in die Schlafsäcke.  
Am darauffolgenden Morgen verlassen wir bereits gegen 8Uhr den Lagerplatz und füllen in Douz unsere Wasser- und Spritvorräte auf. Wieder einmal fällt uns die Suche nach der richtigen Piste Richtung Ksar Ghilane nicht leicht. Schließlich verlassen wir nach verschiedenen Versuchen Einheimischer, uns den richtigen Weg zu beschreiben, Douz in Richtung Westen nach Matmata. Ein paar Kilometer außerhalb Douz fahren wir dann querfeldein nach Süden. Das Gepäck und der grobe Untergrund lassen kaum mehr als 20km/h zu. Wenig später stoßen wir auf eine alte Piste und folgen ihr, bis wir schließlich das Palmwedelcafe erreichen. Von hier aus waren wir vor einem Jahr zu einer Irrfahrt mit dem Kompass aufgebrochen. Dieses Jahr haben wir immerhin schon ein GPS dabei, auch wenn wir nur zwei GPS Punkte haben: Douz und Ksar Ghilane.  
Nach der obligatorischen Erfrischung und dem Anbringen unseres Stammtischaufklebers sowie  einer Visitenkarte an einer der Holztafeln des Cafes brechen wir auf und versuchen unser Glück erneut. Diesmal sieht es gut aus. Wir folgen der Piste nach Süd-Osten. Immer wieder verlassen Spuren nach links die Route. Wir aber bleiben auf der Piste, die ja genau in die gewünschte Richtung führt. Schließlich versperren Sanddünen die Sicht auf  den weiteren Verlauf des Weges. Unser GPS zeigt eine Entfernung von etwa 40km nach Ksar Ghilane an. Etwa 20km lang durchpflügen wir das Dünenfeld, vermutlich der Länge nach, denn der Wirt des Cafes sprach nur von wenigen Kilometern. Manchmal ist der Sand derart weich, daß sogar unsere nur leicht bepackten Motorräder bis zur Achse mit dem Hinterrad einsinken. Dann hilft nur noch gemeinsames Anschieben. Durch die teilweise extremen Steigungen und den abrupten Übergang der Sandhügel auf den ebenen Boden zerrt das Gepäck derart am Motorrad , daß eine von Manfreds Satteltaschen nach einem Sturz aufgibt. Ein faustgroßes Loch befindet sich an einer Ecke an der Innenseite der Tasche. Während der Schaukelei wurde sie vermutlich vom Reifen aufgerieben. Zwei unserer Trockenmahlzeiten haben sich bereits in der Tasche und größtenteils in der Sandwüste verteilt. Die dritte Tüte, die gerade erst aufgerissen war, kochen wir gleich an Ort und Stelle. Da es eh gerade Mittagszeit ist, kommt uns diese Stärkung gerade recht. Um etwas Schatten zu bekommen, spannen wir unsere Gewebeplane über die Mopeds und machen Siesta. Mane flickt seine Satteltasche mit dickem Schusterfaden und ich koche das Menu.  
Zwangspause, die auch gleich zum Kochen benutzt wird.Satt und optimistisch gegenüber der restlichen Strecke fahren wir weiter. Endlich werden die Dünen kleiner und eine Ebene mit niederem Gras und Buschwerk folgt. Das GPS zeigt nur noch 10km Entfernung zu Ksar Ghilane an. Abermals kommt ein Dünengürtel in Sicht. Diesmal sind es aber etwas höhere als bisher. Der Höhenunterschied zwischen der Ebene und der höchsten Stelle der Dünen beträgt etwas mehr als 60m. Bis zum Horizont keine Oase in Sicht. Zweifel an der Richtigkeit der Navigation kommen auf. Die steilen Dünen zwingen uns zu höherer Geschwindigkeit. Bei den Abfahrten vom Kamm der Dünen schlagen die Gabeln der XRs kernig durch, denn die Dünen gehen direkt in flachen Boden über, um nach 2-3m erneut steil anzusteigen. Schließlich werden die Dünen kleiner und eine weitere Ebene folgt. Nur noch 4km zur Oase -laut GPS- und nichts in Sicht außer einem erneutem hohen Dünenfeld. Wir klettern immer höher und als wir am höchsten Punkt stehen, ist endlich Ksar Ghilane in Sicht. Überrascht stelle ich fest, daß wir nicht, wie angenommen, von der Nordseite her ankommen, sondern von Süden her. Egal, denn der Anblick beflügelt uns und wenige Minuten später sind wir im Schatten der Oase und erfrischen uns mit einer Cola.  
Im Thermalwasser der Oase räkeln sich etwa 20 Touristen, etwa 30 - 50 weitere reiten auf Kamelen außerhalb der Oase umher. Inzwischen muß wohl diese Oase zu einem Touristenmagnet geworden sein. Als wir beide uns in das warme Wasser setzten, verschwindet auch der letzte dieser Gruppe aus dem Wasser. Vermutlich befürchten die Leute eine plötzliche Verschlechterung der Wasserqualität.  
Am darauffolgenden Morgen nutzen wir die Gelegenheit um endlich ohne Gepäck zu fahren. Wir starten in Richtung der Festung, dem Ksar. Die Strecke ist etwa 3km lang und nicht sehr spektakulär. Die Festung selbst besteht nur noch aus Mauerresten auf einer Anhöhe. Von dort sehen wir die eigentliche Piste, die bis an den Dünengürtel erkennbar ist. Wären wir gestern hier lang gekommen,  wir hätten tatsächlich nur ein paar Sandhügel überwinden müssen.  
Den Rest des Vormittags bohren wir noch auf den verschiedenen Sanddünen rund um die Oase herum. Bei diesem Spaß war Manfred doch etwas zu schnell dran und die auf der anderen Seite fast senkrecht abfallenden Düne ermöglichten ihm einen drei Meter weiten Flug mit seiner XR. Glücklicherweise verletzte er sich nur geringfügig und bis auf seinen abgebrochenen Blinker und eine verschobene Gabel blieb auch sein Moped heil.  
Wir packen gegen Mittag unsere Sachen und verlassen die Oase in Richtung Osten. Nach 17km stoßen wir auf die Pipeline, die wir aber nur überqueren, um weiter in Richtung Osten einer alten Piste zu folgen. Zuerst geht es pfeilgerade dahin, der Weg ist gut sichtbar. Als jedoch die Piste entlang einer Hügelkette verläuft übersieht Manfred, verwöhnt von der bisher guten Strecke, drei hintereinander kommende Querrillen im Weg und die erste hebelt ihn so hoch aus dem Sattel, daß ich mit dem schlimmsten rechne. Ich bremse sofort ab, um die Querrillen zu meistern. Derweil kämpft Mane mit seiner Landung und anschließender Überquerung der beiden folgenden Gräben. Wir bleiben stehen, um nach seinem Motorrad zu sehen. Der Schrecken steht ihm noch im Gesicht. Er hatte die Gräben einfach zu spät erkannt. Das Heck der XR, das wir zuhause sogar noch verstärkt hatten, ist vom Gewicht des Packsacks bei der Landung nach unten gebogen worden, so daß nun der Kotflügel am Auspufftopf scheuert.  
Wir fahren etwas langsamer und mit größerer Aufmerksamkeit weiter. Aber schon bald müssen wir die Piste verlassen, weil diese nach Norden abbiegt. Wir fahren ein paar Kilometer in einem ausgetrockneten Bachbett und über eine Hügelkette bis wir wieder eine Spur nach Osten entdecken. Den Palmengarten bei Chenini finden wir zwar nicht, aber die Moschee ist von weitem zu erkennen.  

Auf dem Weg nach Djerba von Ksar Ghilane aus.

In Tatouine tanken wir auf und kaufen Brot für das Abendessen. Hier treffen wir zwei Motorradfahrer wieder, die mit uns auf der Fähre nach Tunis waren. Ein ungleiches Paar: Einer fährt eine BMW R1100GS, der andere eine alte Kawasaki Enduro. Jetzt suchen die beiden nach bleifreiem Sprit für die BMW.  
Wir folgen der Straße 115, die glücklicherweise noch nicht geteert ist und fahren über eine Steppe, die von kleinen Büschen auf Sandhügeln übersät ist. Weit entfernt von der letzten Siedlung beziehen  wir unser Nachtlager mitten im Nirgendwo.

 

 

 

 

 

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Gegen 10 Uhr am Morgen starten wir unsere Eintöpfe und machen uns auf den Weg nach Djerba. Die Piste wird nun sehr schnell, aber auch staubig. Wir fliegen mit über 100km/h den Weg entlang, müssen nur bremsen, wenn Gegenverkehr oder engere Kurven im Weg sind. Dreimal durchqueren wir Brackwassergebiete über eingetrocknete Salzflächen. Doch sind es manchmal nur wenige Meter, die den Schlamm vom befahrbaren Weg trennen. Die letzten 40 Kilometer fahren wir wieder auf geteerten Straßen. Wir beziehen unser erträumtes Lager am Strand von Djerba bei einem ehemaligen Hotel. Glücklicherweise ist das Nachbarhotel in besserem Zustand, so daß wir uns an dessen Bar erst einmal einige Biere gönnen, nach all den Staubigen Kilometern ein wahres Fest. Die anwesenden Gäste bestaunen uns teilweise etwas belustigt. Welcher Verrückte fährt schon mit dem Motorrad bei knapp 40 C im Schatten in Tunesien herum? Und sie haben irgendwo Recht...  
Auch am nächsten Morgen treffen wir Touristen bei einer Inselrundfahrt, die sogar aus unserer Heimatgegend kommen. Die können es kaum fassen, daß wir mit den Motorrädern bis hierher gefahren sind. Aber wir sind nun mal hier und fahren am Strand entlang bis zur nördlichsten Spitze Djerbas. Natürlich sind die schönsten Strandabschnitte immer von pompösen Hotels quasi "gesperrt" sind. Außerhalb dieser schmucken Strände häuft sich der angeschwemmte Unrat und auch im Innern der Insel sind immer wieder Müllberge anzutreffen, die der Massentourismus hier anhäuft.

Schon am nächsten Morgen verlassen wir die Insel, biegen gleich nach dem Damm, der sie mit dem Festland verbindet, rechts ab und verlassen kurz darauf die Straße um auf einer älteren, parallel verlaufenden Schotterstraße in Richtung Medenine zu fahren. Bis 20 km vor Medenine fahren wir zumeist auf sandigem Untergrund, etwa 5 km hinter der Stadt biegen wir ab in Richtung Matmata/Metameur. Viele Kilometer fahren wir so auf den schnellen Schotterstraßen nach Südost. Es sind noch etwa 18km (Luftlinie) bis Ksar Ghilane, als wir auch die Schotterpiste verlassen, um querfeldein nach der Himmelsrichtung weiterzufahren. Und wir sind hier offenbar nicht die einzigen, die so übers Land fahren. Immer wieder tauchen Jeep-Spuren aus dem Nichts auf und verlaufen genau in unsere Richtung. Endlich kommt die Pipeline wieder in Sicht. Wir kreuzen erneut die Piste und treffen etwas später in der Oase Helge und seine Sozia wieder. Wir halten uns aber nicht lange auf, kaufen uns nur ein paar Flaschen Trinkwasser und verlassen die Oase gegen 3Uhr in Richtung Festung. Wir wollen den Spuren eines 4x4 Militär-LKWs folgen, der vor etwa einem Tag die Strecke nach Douz gefahren ist. Gleich hinter der Festung verläuft tatsächlich die Piste nach Douz und wir folgen ihr ein schönes Stück. Langsam werden hohe Dünen sichtbar. Aber die ausgefahrenere Spur biegt kurz vorher links ab und läßt die Dünen rechts liegen. Die alte Piste führte wohl gerade aus weiter, denn die Strecke wurde regelrecht verschluckt vom Sand. Wieder kommen wir gut voran, bis auch hier Dünen auftauchen, die es diesmal zu überqueren gilt. Glücklicherweise sind die Spuren des LKWs noch sichtbar, so daß wir einfach den Rillen folgen. Ein gut geländetaugliches Gefährt muß das gewesen sein, denn die Dünen sind nicht von Pappe. Es wurde wohl mit sehr wenig Luft in den Reifen gefahren, die Spuren im Sand sind sehr breit. Obwohl es bereits nach 16 Uhr ist, zeigt mein IMO-Tacho eine Außentemperatur von fast 40? C. Gut, daß wir genug Wasser dabei haben. Wir machen Pause an einem kleinen befestigten Brunnen. 
Ein befestigter Brunnen auf dem Weg zurück nach Douz. 
Das Loch im Boden der Hütte ist mit einer Metallplatte abgedeckt. Neugierig öffnen wir den Schacht und lassen einen Stein ins Loch fallen. Es dauert fast 4 Sekunden bis wir den dumpfen Aufschlag hören, kein Wasser mehr drin. Der Tageskilometerzähler steht auf 220km. Dreiviertel davon waren Offroad Kilometer. Wir fahren weiter, schon etwas erschöpft, aber die verbleibenden 12 km bis zum Palmwedelcafe ziehen sich noch etwas in die Länge. Wir stoppen ein paar hundert Meter vor dem Café, um uns mit dem Wasser einer solarbetriebenen Pumpstation den Kopf zu kühlen. Nach der schon obligatorischen Cola im Cafe gebe ich dem Wirt die GPS-Koordinaten seines Standortes, sowie der Strecke, die hinter uns liegt. Vielleicht kommen ja einmal wieder Fahrer vorbei, die nach dem Weg fragen. Die können dann mit unseren Koordinaten sicher mehr anfangen, als mit der handgezeichneten Karte vom Wirt. 30km später in Douz auf dem Campingplatz "Desert Club Camping" ist die Strecke schon fast wieder vergessen. Mit einem kühlen Bier in der Hand gebe ich die Koordinaten an ein paar Fahrer vom Enduro-Stammtisch Sonthofen, die sich morgen an die Strecke machen wollen, unter anderem mit zwei BMW´s. Wir wünschen den Jungs viel Erfolg dabei.  
Am nächsten Morgen, es  ist Sonntag, wollen wir  nur eine relativ kurze Strecke fahren: Von Douz über Kebili, über den Chott el Djerid weiter nach Tozeur und hoch nach Tamerza. Dort soll morgen eine Sonderprüfung der OPTIC 2000 enden. Wieder bläst uns 40? C warme Luft ins Gesicht. Die Öltemperatur der beiden Einzylinder fällt nicht mehr unter 130? C. In der Mitte des Chotts machen wir einen Abstecher zu dem alten Buswrack, das abseits des Damms steht. Auch zwei Lastwagen des PRO-LOG Teams sehen wir, und bleiben kurz stehen, um Neuigkeiten bezüglich der Rallye zu erfahren. Auf einer Paßhöhe bei Tamerza ist noch keine Spur von der Rallye zu sehen. Gleich dahinter in einer kleinen Schlucht nutzt ein Dieb die Gelegenheit, Manfreds Handschuhe zu klauen, die er für einen Augenblick am Motorrad liegen läßt. Ich sehe den vermeintlichen Dieb noch, aber im entscheidenden Augenblick schaue ich gerade in die Schlucht hinunter und mache ein Foto. Natürlich hat keiner von den anwesenden Händlern, die allerhand Schund anbieten, etwas gesehen. Als wir auf eigene Faust zu einen Lastwagen mit Jugendlichen gehen, um dort nach dem Dieb zu sehen, werden wir angepöbelt und so müssen wir klein beigeben und machen uns vom Acker.  
Wir zelten in Mides neben einer alten Römersiedlung an einer Doppelschlucht. Ein sehr anspruchsloser Campingplatz mit einem netten Besitzer ist hier zu finden.  
Am Morgen brechen wir auf und gerade als wir ein Flußbett durchqueren, fällt mir ein Jeep auf mit ein paar Leuten, die eilig herumwuseln. Als wir näher kommen, ist bereits eine Fahne mit dem OPTIC 2000 Schriftzug zu sehen. Hier sind wir also richtig. Das ist das Ziel der heutigen Speziale, der ersten in Tunesien. Etwa 1 ½ Stunden später kündigen Staubfahnen am Horizont die ersten Motorradpiloten an. Die schnellsten Fahrer benötigten für die 280km Offroad gerade mal knapp 3 Stunden. Ein Wahnsinns Schnitt! Die ersten drei Plätze gehen an KTM. Überrascht stelle ich fest, daß viele Privatfahrer mit XRs unterwegs sind. So richtig vorne mitmischen ist aber wohl nicht möglich, da dieses Motorrad einfach zu wenig Power im Vergleich zu den übermächtigen KTMs hat. Aber schon kurz darauf kommen die ersten Jeeps an. Wir verfolgen das Geschehen noch bis etwa 14:30 Uhr. Sogar das Fernsehen kommt mit einem Helikopter angeflogen. 
Die Tagessieger der ersten Sonderprüfung derOptic 2000. 
Ich ergattere noch ein abgespultes Roadbook, daß ein Motorradfahrer los werden wollte, als Souvenir des heutigen Tages.  
Wir fahren ab und versuchen, bei Kasserine eine Campingmöglichkeit zu finden. Einen offiziellen Campingplatz gibt es nirgends und die vielen Gehöfte geben uns keine Möglichkeit, ungesehen zu campieren. Da hilft nur noch die Flucht nach vorne. Wir stoppen bei einem Anwesen und fragen einfach einen Jungen von etwa 16 Jahren, ob wir hier übernachten könnten. Er freut sich, uns hier heute als Gäste zu haben, sagt er. Als später sein Onkel nach Hause kommt, bringen sie uns sogar hausgemachtes Öl und Brot.  
Auch am darauffolgenden Morgen, einem Islamischen Feiertag, bekommen wir noch einmal ein großes Fladenbrot frisch gebacken, und Wasser mit auf den Weg. Als kleines Gegengeschenk geben wir Feuerzeuge und Kugelschreiber her. Wir bedanken uns noch einmal für die Gastfreundschaft und starten die Mopeds. 300km später erreichen wir Nabuel, von wo aus wir vor 9 Tagen aufgebrochen waren. Hier wollen wir die restlichen 2 Tage ausspannen und noch einen Ausflug machen.  
Heute ist unser vorletzter Tag in Tunesien. Wir machen einen kleinen Ausflug nach Korbous, einer Thermalwasserquelle mit Bädern . Korbous liegt an der Ostküste des Cap Bon. Auf dem Weg dorthin rutscht mir auf einem der glatten einspurigen Teerstraßen das Hinterrad derart weg, daß ich bei dem anschließenden unfreiwilligen Drift nur mit Mühe einen Highsider verhindern kann. Drei Leute auf einer Bank schauen interessiert zu, die denken wohl, das gehört so. Leider ist der Thermalort nicht so interessant, deshalb machen wir uns bereits gegen Mittag auf den Heimweg nach Nabuel. Zurück am Campingplatz treffen wir dann schließlich noch den Nachbarn eines unserer Stammtischfreunde mit seinem Wohnmobil an, da sind wir nicht schlecht überrascht. Gegen Abend gesellt sich ein Gespannfahrer aus Österreich zu uns am Zeltplatz und wir vereinbaren, am morgigen Tag zu dritt in seiner 300ccm starken MuZ eine Runde zu drehen.  
Der Fahrer, ein Rentner, der den ganzen Winter hier in Tunesien verbracht hat, verdient unsere Achtung. Mit seinem nicht gerade PS-starken Gefährt hat er große Teile Tunesiens bereist. Immer wieder verweist er auf die Zuverlässigkeit und die einfache Reparatur seines Mopeds. Also steigen wir ein und auf und fahren los. Die Leute staunen nicht schlecht, wenn sie uns kommen sehen. So etwas sieht man scheinbar nicht alle Tage hier. Wir fahren zum Mittagessen in ein Restaurant und Manfred und ich bestellen per Zufall, da wir die in französisch geschriebene Karte nicht lesen können, einfach mit dem Finger irgendwas auf der Karte. Wir sind nicht schlecht überrascht, als jeder einen halben Schafskopf bekommen. Na dann, Mahlzeit! Das Teil sieht nicht nur ekelhaft aus, sondern ist auch noch äußerst fett. Glücklicherweise sind 5 Katzen anwesend, an die wir das ungenießbare Menü verfüttern. Nur die Beilagen essen wir. Gut, daß wir die meiste Zeit selbst gekocht haben hier. Nach der Rückkehr zum Zeltplatz treffen wir dort die vier Sonthofener Endurofahrer wieder an, denen wir die GPS Daten für Douz - Ksar Ghilane vor ein paar Tagen gegeben hatten. Am Abend begießen wir den erfolgreichen Urlaub mit viel Bier und stellen uns den Wecker auf 5 Uhr früh.  
Es ist fast noch dunkel, als wir losfahren in Richtung Tunis. Auf der Autobahn kommen wir schnell voran. Nur auf den letzten Kilometern vor Tunis staut sich der Verkehr. Aber als Einspurfahrzeuge fahren wir neben den PKW´s vorbei und kommen genau passend zur Fähre, die gerade mit dem Einladen beginnt. Die Ausreiseformalitäten sind schnell getätigt und so ist für uns wieder ein Kapitel Tunesien beendet.  
Etwa einen Tag später erreichen wir Genua, nach einer teilweise unruhigen Überfahrt. Wieder schafften es wir, im Pullmann Saal mehrere Sitze als Bett zu benutzen. Das Wetter ist alles andere als gut. Der Blick in Richtung See-Alpen läßt schon erahnen, was uns am Brennerpaß erwartet. Bei Regen fahren wir los und bleiben nur zum Tanken stehen. Gegen Abend erreichen wir Bozen und wollen uns ein Zimmer nehmen. Aber es ist das Osterwochenende, und alle Hotels bis etwa 150.-DM pro Zimmer und Nacht sind an Ausflügler vermietet. Verärgert über den Zimmernotstand, wringen wir unsere nassen Socken aus, leeren das Wasser aus den Stiefeln und fahren wieder auf die Autobahn in Richtung Brenner. Schon wenig später schneit es, daß man mit der angelaufenen Endurobrille im matten Scheinwerferkegel kaum mehr den Mittelstreifen der Straße erkennen kann. Am Autohof kurz vor dem Brenner finden wir gottseidank ein Zimmer und übernachten dort. Eine Riesenpizza und ein Weißbier lassen uns die Kälte schnell vergessen.  
7 Uhr früh. Es ist wolkenverhangen mit etwa -3 Grad Celsius. Wir kicken unsere Mopeds an, wobei uns auch gleich warm wird. Leider haben wir beide nur noch trockene Crosshandschuhe, die wir mit den Regenhandschuhen kombinieren. Gegen die Kälte hilft das jedoch nicht viel. Kurz vor der Paßhöhe liegen fast 5cm Schnee auf der Fahrbahn. Aber nach Innsbruck regnet es nur noch vor sich hin. Ab und zu bleiben wir stehen und wärmen uns die Hände am heißen Auspufftopf auf.  
Und etwa 180km später erreichen wir schließlich Straubing, das wir vor 17 Tagen verlassen haben.  
Nach über 4500km endlich wieder Zuhause. Und jetzt für den Rest des Tages ein schönes heißes Bad...  
  
Christian Frankl