Widi´s Gastseite beim Enduro-Stammtisch Straubing

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TÜRKEI Januar 2001

 

"Auf die wüste Tour"

von Wolfgang Widmann

Im Januar 98 war es für uns auch "einmal Zeit" die Wüste zu testen und "höchste Zeit" für einen netten Urlaubstrip ohne Freundinnen.
Wir, das sind: Thomas Henninger,26 Theologistudent im 15 Semester, "Antialkoholiker" und Alfafan; Wolfgang Gruber, 29 Dipl. Kaminkehrer mit Wettbewerbserfahrung, leberkrank; Michael Altschäffl, 27 "Sepp",Frauenarzt, gläubiger Buddhist, hervorragender Endurofahrer; Wolfgang Widmann,29,Akordschlachter, Biergartenendurist, Nichtraucher, Gegner von Bier.

Die Mopeds auf den Hänger (wir sind faule und verfrorene Endurofahrer!!) und ab Richtung Genua. Nachdem wir um ca. 5 Uhr morgens den Schichtwechsel der Nutten am Hafen erleben durften, war es höchste Zeit für die ersten Bierchen. Beim zweiten oder dritten Bierchen bekamen wir Besuch von einem BMW 535 in schwarz, mit Baseballschlägern auf der Heckablage wirklich nette Leute!

Nachdem ein Freund ganz leise sagte: "Sepp! De brauchan an Callboy für de schwulen Italiena. Warst wirklich a guada Spezl!!" konnten wir uns dummerweise das Lachen nicht verkneifen.
Dumm gelaufen!! Der BMW hielt vor unserem Jeep mit Hänger an - alle vier Türen öffneten sich.
Breite Schulter, Tätowierungen und wenig Humor im Gesicht. Gedanklich sahen wir uns schon im SM-Studio von Genua, als einer der Zuhälter sagte: " Moto TM - good bike!!" Sichtlich erleichtert, öffneten wir uns ein Beruhigungsbierchen (unsere
neuen Freunde bekamen natürlich auch ein Feierabendbierchen!) und redeten über Motorräder. Endlich wurde die Schranke zum Hafen geöffnet und wir verabschiedeten uns von der "Unterwelt". Die Sonne ging auf und das Warten und das Besorgen von blöden Stempeln begann. Das Warten vor dem Absperrgitter zur Fähre war der Alptraum eines TÜV-Prüfer. So viele überladene und fertige Autos kann man nur hier sehen. Faszinierend war auch die Antwort eines deutschsprechenden Tunesiers auf die Frage: "Warum habs ir eire Autos mit lauter Ikea-Teppiche voiglon ? Des war ja des gleiche ois wens ihr Weißbier noch
Erding farn dads!" Antwort ( O-Ton eines ehrlichen Geschäftsmannes) "Du weißt es, ich weiß es, aber die Touris wissen es nicht!!"
Endlich kam unser Seelenverkäufer im Hafen an - Die "Habib".
Die riesige Schnauze des Kutters öffnete sich, und dann sahen wir bereits die ersten Ritter der Sahara, als sie die Rampe runterkammen. Einige Rückkehrer aus der Sandschlacht konnte man zuerst riechen, bevor man sie sah, wiederum andere konnten ihre Streitrösser nur noch mit Hilfe eines vorgespannten Geländewagens ans rettende Ufer bringen.
Erfreulich war auch das Beladen der Fähre. Ein paar wichtige Tips fürs Einfahren in die Fähre von unseren Tunesischen Freunden:
1. Motor ca. 1 Stunde vor Eintreffen der Fähre anlassen!
2. 4 Wochen alte getragene Socken in die Autotüren einklemmen.( Hilft
gegen Diebe)
3. Die Autohupe beim Ausladen der Fähre im 5 Minutentakt betätigen.
4. Nie auf das hören, was die Jungs von der Fähre möchten
5. und letztens: Ganz laut arabische Schimpfwörter an alle benachbarten
Fahrzeuge schreien.
Am Abend vor der Abreise hatten wir uns noch "Titanic" im Kino angesehen, so daß wir alle wieder ein Fährenbierchen brauchten. Die erste Fata Morgana sahen wir schon beim Betreten des Speisesaals - ca. 10 Italienische Models vom Opel-Frontera Club, in kompletten Opel-Outfit (Wetten, das Ihre Unterwäsche auch noch das Opel-Logo hatte?!). Bereits beim ersten Abendmahl war dem Kellner klar das 4 Flaschen Wein für vier Bayern nicht ganz reichen und wir einigten uns darauf den nicht verbrauchten Wein von einigen Gästen fachgerecht zu entsorgen. Obwohl das Meer absolut ruhig war "beschwerten" wir uns beim Personal über den wahnsinnigen Seegang, der beim Verlassen des Speisesaales herrschte.
Nach einigen gute Nacht Bierchen hatten wir es endlich verdaut, daß der Teamleiter vom Opel -Frontera Club, die Nächte in der Wüste wirklich geniesen darf..
Am nächsten Morgen sahen wir dann endlich AFRIKA !! Beim Zoll in Tunis ging es dann "relativ" schnell (3 Stunden!!), aber nur mit Hilfe eines korrupten, kleinen Arabers der uns im Beisein mehrerer Grenzpolizisten in allen Sprachen erklärte, das er für eine kleine Spende die Stempel schnell erledigen könnte.
Gut angekommen in Tunis übernachteten wir die erste Nacht im Hotel Ammilcar und am nächsten Morgen gings endlich los.
Thomas und Wolfgang fuhren immer mit dem Jeep und ihren Zweitaktkisten (Moto-TM 250 und Husqvarna CR 250) auf dem Hänger die Routen voraus, besorgten Wein, Unterkünfte und Wasserpfeifen, während Sepp (TT 600 ) und ich ( XR 600 ) gute Endurostrecken suchten und die ersten Probleme mit unseren zu kleinen Serientanks und der Navigation hatten.
Nach vielen Übernachtungen in guten , aber wirklich nicht teueren Hotels erreichten wir endlich Douz. (Den Eingang zum Größten Sandkasten der Welt)
Die Fahrer der rasenden Motorsägen bekamen einen Orgasmus beim Anblick der Sanddünen. Nach ca. 40 Liter 1:50 und vielen Stürzen in den Kamelmist konnte man das Grinsen von Thomas und Wolfgang nicht mehr wegbringen. Besonders lustig wurde es, als mehrere Geländewägen kamen und die Touristen auf die Kamele hievten um eigentlich einen romantischen Sonnenuntergang in den Ausläufern der Sahara zu erleben. Leider hatten Thomas und Wolfgang eben eine andere Vorstellung von Romantik und lieferten zum Sonnenuntergang "Die kleine Nachmusik" von Moto TM und Husky (reng-reng-reng !!)
Am nächsten Tag war es soweit für unseren ersten Wüstentrip. Wir hatte nur die GPS-Daten von Ksar Ghilane und eine Menge blöder Sprüche auf Lager.
Sepp der Chefnavigator ("Beherrscher der Erdscheibe") hatte die Macht und das angebliche Wissen über das GPS-Gerät, während ich lediglich Ersatzbatterien, Zigaretten und "keine" Sanderfahrung vorweisen konnte.
Wir fuhren mit 2 Litern Wasser und vollen Serientanks los. Vorbei am Wüstencafe und rein in den Sand Richtung GPS-Pfeil. Nach ca.6 Stunden, einer Strecke von 6 Kilometern und zahllosen Ausgrabungen von "japanischen Kulturgut", meinte Sepp:" Geil! So fui Sand hob i no nia gseng!."  Schön für Sepp, aber der Hammer für einen Mopedfahrer der gerne Schotter fährt und eine Kondition wie eine Kokosnuß hat. Endlich war es soweit, das wir die Batterien unseres stromfressenden GPS-Gerätes auswechseln mußten. "Des bast scho!! Mir hamma ja nur no 15 Kilometa!"(Leider nicht ganz richtig!!). Nach einer einstündigen Pause, bei der wir auf der Karte nachschauten wo wir gerade Wüstennattern bei Schlafen stören, fanden wir heraus, daß es leider doch noch weiter nach Ksar ist und da wir unsere Satellitenhilfe teilweise ausgeschaltet hatten (Batterien!) fuhren wir laut Karte genau im größten Dünengebiet. " Widi, brauchst da nix dega - des bast scho!!" sprach der Beherrscher der Erdscheibe. Wir fuhren weiter bis meine XR immer auf der Höhe eines Dünnenkamms ausging. Kein Problem ich haben ja die Filterskins von Zupin auf den Luftfilter. Scheissdreck!! Seitendeckel runter und erst mal blöd geschaut!! Wo ist in diesem Sandhaufen der Luftfilter? Also Luftfilterkasten gereinigt, Filterskin runter und weiter geht's. Nach einer weiteren Stunde und vielen Stürzen knurrte unser Magen schon lauter als unsere Mopeds - Zeit für eine Pause!! Leider nein - denn mitten in dieser Dreckswüste beginnt es zu regnen (Kein Endurolatein!!).
  Wir fahren weiter bis langsam aber sicher die Sonne untergeht und es
regnet in dieser Puffwüste fröhlich weiter. Das Problem des plötzlich sterbenden Motor habe ich auch wieder, meine Filterskins sind verbraucht und die Sonne beleuchtet gerade Australien (die andere Seite der Erdscheibe !). Wir einigten uns darauf die Nacht in der Sahara zu verbringen. Einen großen Dornbusch gesucht, die Hinterräder der Mopeds im Sand eingegraben und aus einer Aludecke ein Zelt gebastelt. Es pisst natürlich immer noch!! Völlig durchnäßt holen wir alles Brennbare aus der Nähe und machen uns ein Feuer zwischen Mopeds und unter Alufolie. Wir trocknen unsere Klamotten in unserer arabischen Räucherkammer, bis es endlich um ca. 22 Uhr zu regnen aufhört. Und dann kam die faszinierende Stille der Wüste. Ein absolut unbeschreibares Gefühl!
 

 

 

 

 

 

 

Unbeschreiblich war auch das Gefühl meiner Bänder, Sehnen und Muskeln. Unser kleines Feuer war kurz vor dem Erlöschen als wir uns auf die Suche nach Brennmaterial machten. Raus, auf die nächste Düne - und da stand "Er" -ein traumhaft großer Strauch der mit allen Tricks der Natur ums Überleben kämpfte, bis zwei Idioten aus Freising ihn verheizen würden.

Die Malboros, Traubenzucker und die Stork-Schokoriesen wurden rationiert und im halbstündigen Rhythmus verliesen wir unser Nobelzelt zum Zittern und Klappern (Macht wirklich warm!) Als wir am nächsten Morgen unsere Position überprüften, stellten wir fest, daß unsere Entfernung nach Ksar fast immer noch die Gleiche ist. Mit der gleichen Motivation, die ein Punk beim ersten Arbeitstag hat, stiegen wir auf unsere Sandschaufeln auf, bis meine XR nicht mehr wollte. Mein Spritverbrauch glich ungefähr dem des Zuhälterautos und wir einigten uns darauf, daß Sepp meinen restliche Sprit erhält, Richtung Pipelinepiste fährt und irgendwie nach Ksar kommt um Benzin, Luftfilter, Bier und Zigaretten zu organisieren.
In der Oase warteten ja bereits Wolfgang und Thomas mit allem was das Leben lebenswert macht. Sepp fuhr ab jetzt allein weiter und ich stellte mich gedanklich auf einen 30 Kilometer langen Fußmarsch mit Alpinestar-Crosstiefeln Richtung Osten ein.
 
Nur dummerweise hatte Sepp neben dem GPS Gerät auch noch seinen Kompaß mit auf seinen Weg genommen. Nach ca. 5 Stunden und der letzten Schachtel arabischer Zigaretten, hörte ich in der Ferne die Zweitaktkisten des Freisinger Rettungsteams.
Als Begleitfahrzeug hatten sie einen Suzukijeep mitgebracht, der von einem Wahnsinnigen namens Alex pilotiert wurde.(Nochmals vielen Dank an Alex !!) Mein Retter Sepp war Beifahrer in diesem Jeep und sagte mir, das ich nun eine Lehrstunde in Sachen Wüstenfahren bekomme. Beim Tanken meiner XR über einen Zusatztank im Jeep hatte ich noch einen kräftigen Schluck Benzin über einen Schlauch bekommen, so das mit Rauchen erst mal Schluß war. Schon mal beim Rülpsen nach Benzin gerochen?
Endlich in Ksar angekommen erfuhr ich wie lang sich meine Freunde Sorgen über uns gemacht hatten - nämlich genau eine Flasche Jack Daniels lang.

Dies sind nur einige kleine Auszüge eines 14 tägigen Spaßurlaubes, den ich jeden nur empfehlen kann.
Sollte euch dieser Reisebericht gefallen haben, würde ich mich über eine kurze Mail freuen.

Wolfgang Widmann
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Weitere Fotos: Widi mit seiner XR    Sepp mit seiner TT    Cafe la port du desert